Dänisches Landwirtschaftsministerium wird durch Ministerium für Natur- und Tierschutz ersetzt

Mit der neuen Regierung unter Ministerpräsidentin Mette Frederiksen leitet Dänemark einen grundlegenden Wandel in seiner Agrarpolitik ein. Das bisher eigenständige Landwirtschaftsministerium wird aufgelöst und durch ein Ministerium für Natur- und Tierschutz ersetzt. Damit verlagert sich der politische Schwerpunkt deutlich stärker auf Tierwohl, Natur- und Umweltschutz.

Die Zuständigkeiten für landwirtschaftliche Themen werden künftig auf mehrere Ministerien verteilt. Fragen des Tierschutzes und der ökologischen Nachhaltigkeit sollen dadurch stärker in den Mittelpunkt politischer Entscheidungen rücken. Dänemark wird damit zum ersten EU-Mitgliedstaat, der kein klassisches Landwirtschaftsministerium mehr führt und den Schutz von Natur und Tieren auf Ministeriumsebene ausdrücklich in den Vordergrund stellt.

Animal Society Logo

Wer wir sind – Animal Society ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Rechte und Interessen von Tieren einsetzt und Gesellschaft und Politik dazu ermutigt, Tierleid zu beenden. Mit unserer Aufklärungsarbeit und politischen Kampagnen schaffen wir Transparenz, um effektive Tierpolitik zu etablieren. mehr

Schwerpunkt: Reform der Schweinehaltung

Ein zentraler Bestandteil der neuen Politik ist die umfassende Reform der dänischen Schweinehaltung. Als einer der größten Schweinefleischexporteure der Welt steht Dänemark seit Jahren im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Bedeutung und den wachsenden Anforderungen an Tier-, Natur- und Umweltschutz. Mit rund fünfmal mehr Schweinen als Einwohnern prägt die Schweinehaltung das Land in besonderem Maße und war zuletzt auch ein wichtiges Thema im politischen Diskurs.

Für Schweinehaltung sollen konkrete Maßnahmen eingeführt werden, die bestimmte Praktiken verbieten und die Lebensrealität von Schweinen verbessern sollen.

Geplante Maßnahmen:

Für Schweine bedeuten die neuen Maßnahmen hoffentlich eine Besserung der Lebensqualität.
  • Ende extremer Zuchtpraktiken
  • Ausstieg aus dem routinemäßigen Schwanzkupieren bis 2030
  • Spätere Trennung von Ferkeln und Muttersauen
  • Mehr Platz in den Ställen
  • Verpflichtendes Beschäftigungs- und Wühlmaterial für Schweine
  • Auslaufen besonders intensiver Zuchtformen bis 2035

 
Diese Maßnahmen sollen die Haltungsbedingungen für Millionen von Tieren nachhaltig verbessern.

Politischer Rahmen und Umsetzung

Bemerkenswert ist nicht nur der Inhalt dieser Reformen, sondern auch der politische Prozess dahinter. Innerhalb von sechs Monaten soll eine parteiübergreifende Vereinbarung zur Zukunft der Schweinehaltung erarbeitet werden. Damit setzt die Regierung erstmals einen klaren zeitlichen Rahmen und formuliert konkrete Ziele für die Umgestaltung eines der bedeutendsten Agrarsektoren des Landes.

Dänemark zeigt damit, dass eine grundlegende Anpassung  politischer Strukturen möglich ist. Deutschland muss diesem Beispiel folgen und erkennen, dass die aktuelle ministerielle Einordnung des Tierschutzes im Landwirtschaftsministerium weder in der Lage ist den Tieren noch den Erwartungen der Bürger*innen nach Tierschutz Rechnung zu tragen.